Den Herzschlag Jesu spüren.

Die Gegenwart Jesu im Tabernakel muss ein Anziehungspunkt für eine immer größere Anzahl von Seelen sein, die von Liebe zu ihm erfüllt sind und fähig sind, lange da zu bleiben, um seine Stimme zu hören und gleichsam seinen Herzschlag zu spüren. ‘Kostet und seht, wie gütig der Herr ist’ (Ps 34,9).
Die eucharistische Anbetung außerhalb der heiligen Messe soll während dieses Jahres zu einer besonderen Aufgabe für die einzelnen Pfarrgemeinden und Ordensgemeinschaften werden. Verweilen wir lange auf den Knien vor dem in der Eucharistie gegenwärtigen Herrn, indem wir mit unserem Glauben und unserer Liebe die Nachlässigkeit, die Vergessenheit und sogar die Beleidigungen wiedergutmachen, die unser Erlöser in vielen Teilen der Welt erleiden muss. Vertiefen wir in der eucharistischen Anbetung unsere persönliche und gemeinschaftliche Betrachtung, indem wir uns auch der Gebetshilfen bedienen, die vom Wort Gottes und von der Erfahrung vieler alter und neuer Mystiker durchdrungen sind. Selbst der Rosenkranz — verstanden in seiner tiefen biblischen und christozentrischen Bedeutung, die ich im Apostolischen Schreiben Rosarium Virginis Mariæ ans Herz gelegt habe — kann ein Weg sein, der für die eucharistische Betrachtung besonders geeignet ist, wird sie doch in Gemeinschaft mit Maria und in der Schule Mariens vollzogen.

Johannes Paul II. in Mane Nobiscum Domine, Nr. 18


ER ist so für mich da, als ob ich der einzige Mensch im Weltall wäre.

Die hl. Theresa von Avila sagte ihren Schwestern: „Nicht bitte ich euch, dass ihr über ihn nachsinnt, dass ihr große, feinsinnige Erwägungen anstellt. Ich will nicht mehr, als dass ihr ihn anschaut“. Mich seinem Blick der Liebe auszusetzen ist eucharistische Anbetung. Nicht mehr, aber auch nicht weniger! Denn Jesus ist eigens für mich da und in der Stunde der Anbetung für mich allein da. Eine Frau berichtet von einem Gespräch mit Mutter Theresa von Kalkutta kurz vor der Verleihung des Nobelpreises  im Stockholmer Schloss: „Ich hatte den Eindruck, dass es während der Zeit, als Mutter Theresa mit mir sprach, für sie nichts Wichtigeres gab, als ich. Es schien, als hätte sie völlig vergessen, dass sie eigentlich wegen des Nobelpreises hier war. Ich hatte wegen der ungeteilten  Aufmerksamkeit und Liebe, die sie mir entgegenbrachte, glauben können,  sie wäre  meinetwegen  nach Schweden  gekommen.” Wenn aber schon ein Mensch mir ungeteilte Aufmerksamkeit schenken kann, wie viel mehr  dann Jesus! Wenn ich vor ihm im allerheiligsten Altarsakrament niederknie, gilt seine ungeteilte Aufmerksamkeit und Liebe mir allein. Er ist so für mich da, als ob ich der einzige Mensch im Weltall wäre. Er ist mir total zugewandt. Es ist nicht meinerseits eine fromme Übertreibung, wenn ich sage: Jesus im Allerheiligsten Sakrament ist so für mich da, als ob es sonst niemanden gäbe auf dieser Welt.

Predigt von + Kardinal Meisner vom 1.11.2014


Die beste Zeit, die Du auf Erden verbringen wirst.

Die Zeit, die du mit Jesus im Allerheiligsten Sakrament verbringst, ist die beste Zeit, die du auf Erden verbringen wirst. Jeder Augenblick, den du mit Jesus verbringst, wird deine Einheit mit ihm vertiefen und deine Seele auf ewig herrlicher und schöner machen für den Himmel sowie mithelfen, ewigen Frieden auf Erden zu fördern.

Mutter Teresa von Kalkutta.


Besonders hoffe ich, dass … die ewige eucharistische Anbetung in allen Pfarreien … auf der ganzen Welt eingeführt wird

Ich hoffe, dass diese Form der Ewigen Anbetung mit der fortwährenden Aussetzung des Allerheiligsten Sakraments sich in der Zukunft fortsetzen wird. Besonders hoffe ich, dass als Frucht dieses Kongresses die ewige eucharistische Anbetung in allen Pfarren und christlichen Gemeinschaften auf der ganzen Welt eingeführt wird.

Predigt von Papst Johannes Paul II. beim 45. Eucharistischen Weltkongress in Sevilla, Spanien, Juni 1993


GOTT einfach unsere Zeit schenken

Man kann nicht lange in der Sonne sein, ohne dass man ihre Spuren auf dem Gesicht trägt. Wenn wir lange und treu, nicht unbedingt mit großem Eifer, vor dem Allerheiligsten bleiben, nehmen wir die Gedanken und Gefühle Christi auf, und zwar nicht auf eine diskursive, sondern auf eine intuitive Weise. Die eucharistische Anbetung bedeutet konkret, eine Herzensbeziehung mit Jesus aufzubauen, der in der Hostie wahrhaft präsent ist. Anbetung des Allerheiligsten und Eucharistie, Kontemplation und Feier, sollten einander im spirituellen Leben der Gläubigen ergänzen. Eucharistische Betrachtung heißt, einen anschauen, der mich anschaut. Die Anbetung kann durch eine lange Reflexion vorbereitet werden, aber sie endet mit einer Intuition, und – wie jede Intuition – dauert sie nicht lange. Sie ist wie ein Lichtstrahl in der Nacht. Aber es ist ein besonderes Licht: nicht so sehr das Licht der Wahrheit, sondern vielmehr das Licht der Wirklichkeit. Es ist die Wahrnehmung der Größe, Majestät, Schönheit, insgesamt der Güte Gottes und seiner Gegenwart, die einem den Atem raubt. Das einzige, worum uns der Heilige Geist bittet, ist, ihm unsere Zeit zu schenken, auch wenn es anfänglich als verlorene Zeit erscheint. Ich werde niemals die Lektion vergessen, die mir eines Tages in dieser Sache erteilt wurde. Ich sagte zu Gott: ‚Herr, gib mir den Eifer, und ich werde dir alle Zeit schenken, die du für das Gebet willst.’ In meinem Herzen fand ich die Antwort: ‚Raniero, gib mir deine Zeit, und ich werde dir den ganzen Eifer geben, den du im Gebet willst.’

Ausschnitte aus einer Predigt von P. Raniero Cantalamessa OFM Cap, Prediger der Kurie in Rom


Wenn wir wirklich glauben, dass Gott existiert

Wenn wir wirklich glauben, dass Gott existiert, können wir es nicht unterlassen, ihn anzubeten – bisweilen in einem von Anbetung erfüllten Schweigen – oder ihn in festlichem Lobpreis zu besingen. So drücken wir das aus, was der selige Charles de Foucauld lebte, wenn er sagte: Sobald ich glaubte, dass es einen Gott gibt, wurde mir klar, dass ich nichts anderes tun konnte, als für ihn allein zu leben. Auch im Leben des pilgernden Volkes Gottes gibt es viele schlichte Gesten der reinen Anbetung, zum Beispiel wenn der Blick des Pilgers […] auf einem Abbild [ruht], das die zärtliche Zuwendung und Nähe Gottes symbolisiert. Die Liebe hält inne, betrachtet das Mysterium und erfreut sich im Schweigen daran.

Papst Franziskus: GAUDETE ET EXSULTATE, Nr. 155


ER ist da … weil es seine Freude ist, bei den Menschen zu sein.

Der Herr ist im Tabernakel gegenwärtig mit Gottheit und Menschheit. Er ist da, nicht seinetwegen, sondern unseretwegen: weil es seine Freude ist, bei den Menschen zu sein. Und weil er weiß, dass wir, wie wir nun einmal sind, seine persönliche Nähe brauchen. Die Konsequenz ist für jeden natürlich Denkenden und Fühlenden, dass er sich hingezogen fühlt und dort ist, sooft und solange er darf

Edith Stein: GESAMMELTE WERKE VII, 136f